Porträt Katharina Lussi

NM 16060

Katharina Lussi (um 1550-1593) – Heimkehr ins Winkelriedhaus

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Als im April 2024 das Porträt der Katharina Lussi in den Besitz des Nidwaldner Museums gelangte, war die Freude gross. Schliesslich handelt es sich um ein Bildnis der Tochter des berühmten Nidwaldner Staatsmannes Ritter Melchior Lussi (1529-1606). Sein ehemaliger Wohnsitz, das Winkelriedhaus ist heute eines der drei Häuser des Nidwaldner Museums. Das Porträt zeigt Katharina Lussi als vornehme Dame mit einer Goldkette, feinem Schmuck und einem verzierten Handschuh in der rechten Hand. Der breite Kragen und die Haube kamen nach ihrer Heirat mit Landamman Marquard Imfeld aus Sarnen dazu.

Wie Katharina stammte auch ihr Ehemann aus einer wohlhabenden und einflussreichen Familie, die mit dem Soldwesen ihr Geld verdiente. Imfeld war im selben Alter wie sein Schwiegervater, Katharina war bereits seine vierte Ehefrau. Bei der Ehe handelte es sich also um eine für die Zeit typische Heiratsallianz. Durch die Heirat seiner Tochter konnte Melchior Lussi seine Beziehungen zur Obwaldner Machtelite stärken.

In der Geschichtsschreibung wurde das Soldwesen lange als reine Männerdomäne angesehen. Dabei nahmen Frauen wichtige Rollen innerhalb der Soldunternehmen ein. Sie waren Miteigentümerinnen der Kompanien, arbeiteten in den Familienunternehmen mit und profitierten von deren Renditen. Ein prominentes Beispiel hierfür ist Maria Jakobea Zurlauben (1658–1716) aus Zug. Wie die Lussi oder Imfeld waren auch die Zurlauben sehr einflussreich und unterhielten Geschäftsbeziehungen zu den Herrscherhäusern in Frankreich, Spanien oder zum Vatikan.

Maria Jakobea Zurlauben führte viele Jahre das Familienunternehmen in Zug, während ihre Brüder im Ausland waren. Sie vermittelte dienstwillige Söldner direkt an die familieneigenen Kompanien und unterhielt ein Netzwerk, über das Männer gezielt für den Solddienst angeworben wurden. Die Anwerbungen finanzierte sie oftmals aus eigener Tasche, war dafür aber auch an den finanziellen Erträgen beteiligt. Maria Jakobea Zurlauben war eine selbstständige Akteurin in der Welt der Soldunternehmen und war genauso in die Familiengeschäfte eingebunden und an diesen beteiligt wie ihre männlichen Verwandten auch.

Ob Katharina Lussi an den Geschäften ihres Vaters oder Ehemannes genauso teilhatte, wissen wir nicht. Vielleicht ermöglichen erst zukünftige Archivrecherchen einen Blick auf ihr Leben. Besonders erfreulich für das Nidwaldner Museum ist, dass Katharina Lussi in Form ihres Porträts den Weg zurück nach Hause ins Winkelriedhaus gefunden hat und dort für Besuchende zu sehen ist.

Autor: Dominic Schmid, Volontär

Foto: Christian Hartmann

Literatur


Medienecho

Beitrag Luzerner Zeitung vom 15.07.2024

Bild zur Ausstellung: Porträt Katharina Lussi