Glasfenster von Paul Stöckli

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Objekt des Monats August 2019

Glasfenster von Paul Stöckli, NM15001
Glasfenster von Paul Stöckli, NM15001

Via Basel nach Stans – Ein Glasfenster von Paul Stöckli

Objekte können auf ganz verschiedene Art und Weise in Museen gelangen. Sie werden zum Beispiel vom Museum angekauft oder lediglich ausgeliehen, um sie in einer bestimmten Ausstellung zu zeigen. Bei einer Dauerleihgabe gehen die Objekte für einen längeren Zeitraum ins Museum über und werden dort betreut: Sie werden inventarisiert, wenn nötig auch restauriert. Aktuell führen jene Objekte zu hitzigen Debatten, die – etwa während der Kolonialzeit – unerlaubterweise ihren Weg in die Museen fanden. Das Objekt des Monats August, ein Glasfenster des Stanser Künstlers Paul Stöckli, ist auf ganz rechtmässigem Wege in die Sammlung des Nidwaldner Museums gekommen: als Schenkung. In diesem Text spüre ich dem Kunstwerk, seiner Geschichte und seinem Schöpfer nach.

1955 gestaltet Paul Stöckli ein grossformatiges Glasfenster für den damaligen Hauptsitz der Baloise Versicherung am Aeschengraben in Basel. Solche grossen öffentlichen Aufträge prägten Stöcklis Werk ab den 1950er Jahren: er stattete mit seinen Kunstwerken zahlreiche religiöse, aber auch repräsentative öffentliche Bauten aus. Einschneidend für diesen Weg war der Auftrag für die Ausgestaltung der Pfarrkirche Obergösgen 1955 durch ein Ensemble von mehreren, teils vielfarbigen Glasfenster. Hier lässt sich zugleich ein Wandel in Stöcklis künstlerischem Ausdruck beobachten. War sein frühes Werk noch von einer figürlichen, am Abbild orientierten Malerei geprägt, löst er sich nun zunehmend davon und wendet sich einer abstrakteren Kunstform zu. Die Aufträge für Glasmalereien dürften ihren Teil zu dieser Entwicklung beigetragen haben, liessen sich deren konstruktive Elemente wie Stege und Metalleinfassungen doch ideal als gestaltende Elemente ins Bildgefüge einpassen. Die gezeichnete Linie und die Farbe Schwarz nehmen in Stöcklis Werk entsprechend eine wichtige Rolle ein. Diese Tendenz geht aber auch auf seine Ausbildung zurück: nach der Lehre als Dekorationsmaler im väterlichen Malergeschäft in Stans besuchte er die Kunstgewerbeschulen in Luzern und Basel und studierte danach in München, wo er sich vor allem auf das Erlernen der Zeichentechniken fokussierte. Das expressive Potential der Linie muss ihm spätestens dort bewusst gewesen sein. Während seiner Jahre in Basel (1937-1957) schloss er sich mit befreundeten jungen Künstlern zur Künstlergruppe Kreis 48 zusammen, in der insbesondere auch viele der sogenannten Basler Graumaler vertreten waren. Dem Umfeld dieser eher dunkeltonig malenden Künstler wird zuweilen auch Stöckli zugeschrieben. Doch Graumaler hin oder her – im Glasfenster des Nidwaldner Museums scheinen die schwarzen Metalleinfassungen vornehmlich das strukturelle Gerüst für die hell leuchtenden Farbflecke zu bilden. Im kühlen Weiss und Grau der Baloise-Eingangshalle kamen die Farben besonders gut zur Geltung, und das Fenster war integraler Bestandteil der Gestaltung des Empfangsraumes.

Warum aber gelangte Stöcklis Fenster überhaupt ins Nidwaldner Museum? Im Jahr 2016 wurde das alte Baloise-Gebäude zugunsten des sich im Bau befindenden Baloise-Park abgebrochen. Das Glasfenster als "Kunst am Bau" verlor dadurch nicht nur seinen ursprünglichen Anbringungsort, sondern auch seinen Sinn. Weil entschieden wurde, das Fenster im Neubau nicht mehr zu verbauen, wurde das Objekt dem Nidwaldner Museum als Schenkung angeboten. Nicht nur der Stanser Künstler selbst verbindet das Fenster mit Nidwalden; auch der eiserne Fensterrahmen wurde in Stans gefertigt. Seinem ursprünglichen Kontext entrissen, tritt das Glasfenster nun noch stärker als Kunstwerk in Erscheinung. Diese Tatsache, sowie die stolzen Masse von 2.95 x 2.42 m und ein Gewicht von mehreren Tonnen, stellten das Museum vor eine grosse Herausforderung: Wie konnte das Werk der Öffentlichkeit präsentiert werden, ohne dass dabei Kompromisse eingegangen werden mussten? Eine Aufstellung im Innern des Winkelriedhauses war von vornherein ausgeschlossen, das Fenster würde durch keine Türe passen. Zudem hätte die notwendige künstliche Belichtung die Wirkung des Objekts geschmälert: die Bewegungen und Schwankungen in der Leuchtkraft, die dem natürlichen Licht inhärent sind, tragen ganz entscheidend zur Wirkung eines Buntglasfensters bei und erwecken es gewissermassen erst zum Leben. Die gewählte Lösung schliesslich sollte sowohl diesen künstlerischen Aspekt als auch den Witterungsschutz berücksichtigen: Das Glasfenster von Paul Stöckli befindet sich seit August 2018 in der Loggia im 1. Stockwerk des Winkelriedhauses. Hier kann es nun von den Museumsbesucherinnen und –besuchern beidseitig betrachtet werden. Nach seinen Studien im Ausland und der längeren Schaffenszeit in Basel kehrte Paul Stöckli 1957 zurück nach Stans – 60 Jahre später folgte ihm sein Basler Glasfenster.

Autorin: Bettina Thommen, August 2019

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