Elysium

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„Elysium“, Ölgemälde von Melchior Paul von Deschwanden aus dem Jahr 1837, 69x84 cm, NM 442
„Elysium“, Ölgemälde von Melchior Paul von Deschwanden aus dem Jahr 1837, 69x84 cm, NM 442

Das in warmen Tönen gehaltene und harmonisch wirkende Gemälde ist eines von über 2000 Werken des Stanser Künstlers Melchior Paul von Deschwanden (1811-1881). Es ist eine Dauerleihgabe des Historischen Vereins Nidwalden und wird in der Sammlungsausstellung im Winkelriedhaus des Nidwaldner Museums gezeigt.

Eine harmonische Gruppe
Das Ölgemälde mit dem Namen „Elysium“, vom Stanser Künstler Melchior Paul von Deschwanden 1837 gemalt, zeigt im Vordergrund drei Gestalten in antiker Kleidung. Die femininen Figuren strahlen durch ihre Blicke eine starke Distanziertheit aus, die für Deschwandens religiöse Werke typisch sind. Die Gestalten berühren sich und lehnen aneinander an. Dadurch vermitteln sie eine gewisse Vertrautheit und Intimität. Im Hintergrund kann man grünbelaubte Bäume und ein Stück des blau-weissen Himmels sehen.

Das Land der Seeligen
In der griechischen Mythologie wird „Elysium“ als eine Insel beschrieben, auf der sich die Seeligen aufhalten, denen die Götter Unsterblichkeit geschenkt haben. Deschwanden malte mehrere Werke zu diesem Thema. Ein erstes Aquarell fertigte er 1837/38 noch kurz vor seiner Studienreise nach Italien an, später führte er dieses in Florenz in Öl aus. Bereits zwei Tage nach der Eröffnung einer Ausstellung, an der Deschwanden das Werk präsentieren konnte, wurde es verkauft. Das nach lebenden Modellen gemalte Gemälde kam in den italienischen Kunstkreisen derart gut an, dass der Künstler weitere Fassungen malte. Die Insel der Seeligen beschäftigte Deschwanden noch bis in die 1840er Jahre, als er in Rom den deutschen Maler Johann Friedrich Overbeck (1789 – 1869) traf. Overbecks Auffassung, die Kunst diene ausschliesslich der Religion und der Verherrlichung Gottes, veranlasste Deschwanden, sich mit wenigen Ausnahmen nur noch religiösen Themen zuzuwenden.

Sakralität als Stilmerkmal
Deschwanden, seit jeher ein frommer Mann, verlieh den Figuren einen auffällig abwesenden Blick. Die Figuren interagieren zwar körperlich miteinander, in dem sie sich berühren und umarmen, allerdings scheinen sie sich gegenseitig nicht wahrzunehmen. Sie erwecken den Anschein, in Gedanken woanders, der Wirklichkeit entrückt zu sein. Diese Distanziertheit seiner Figuren ist vor allem bei den Gestalten in seinen kirchlich-religiösen Werken zu beobachten und gilt, neben einer hellen Farbpalette und einem einfachen Bildaufbau, als Erkennungszeichen seines Malstils.

Zum Malen berufen
Melchior Paul von Deschwanden, 1811 in Stans geboren, war ein Nidwaldner Kirchenmaler des 19. Jahrhunderts. Da er bereits im Kindesalter gerne zeichnete, wurde er von seinen Eltern in den Zeichenunterricht geschickt. Mit 14 Jahren ging Deschwanden nach Zug, und besuchte dort neben der Schule regelmässig den Zeichenunterricht des Malers Kaspar Moos (1774-1835). Nach zweijährigem Aufenthalt verbrachte Deschwanden ein Jahr in Zürich, dort wurde er von Johann Kaspar Schinz (1798-1832) als Schüler aufgenommen. Aufgrund eines Lungenleidens musste Deschwanden seine Ausbildung in Zürich abbrechen. 1830 setzte er seine Lehrzeit an der Münchner Akademie der Künste fort, die er bereits drei Monate später, wiederum aus gesundheitlichen Gründen, aufgeben musste. 1838 unternahm Deschwanden eine Studienreise nach Italien, die ihn über Bologna und Florenz nach Rom führte. In der italienischen Hauptstadt traf er 1840 auf Friedrich Overbeck. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz stellte Deschwanden seine gesamte künstlerische Tätigkeit in den Dienst der Kirche, die auch sein Hauptauftraggeber wurde. Den meist einkommensschwachen Kirchen und Klöstern verkaufte Deschwanden seine Bilder nicht selten für einen symbolischen Betrag, oder beschenkte die Gotteshäuser.

Autor: Miodrag Roncevic, 2014

Literaturangaben


P. Albert Kuhn,  Melchior Paul v. Deschwanden. Ein Leben im Dienst der Kunst, Einsiedeln, New York, Cincinnati und St. Louis 1882.

IsabelleRoth, "Er war ein ausgezeichneter Tänzer. Eine kunsthistorische Betrachtung über Melchior Paul von Deschwanden", in: Sichtwechsel. Geschichten zu Melchior Paul von Deschwanden, hrsg. von Nidwaldner Museum, Stans; Isabelle Roth et al. , Alpnach 2011,  20-53.

Mathilde Tobler, „Ich male für fromme Gemüter und nicht für Kritiker“. Melchior Paul von Deschwanden als Kirchenmaler, in: „Ich male für fromme Gemüter“. Zur religiösen Schweizer Malerei im 19. Jh. Ausst. -Kat. Kunstmuseum Luzern, Luzern 1985, 53-94.


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