Bruno Murer. Sehkörper, die gehen und stürzen

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Objekt des Monats Juli 2012

Skulptur «sehkörper: gehen/stürzen», Bruno Murer 2005/06, NM 11400
Skulptur «sehkörper: gehen/stürzen», Bruno Murer 2005/06, NM 11400

Sehkörper, die gehen und stürzen

Die Skulptur des Künstlers Bruno Murer repräsentiert einen Teil der Sammlung des Nidwaldner Museums.

Zwei Grundzustände des menschlichen Seins

Im Zentrum der Arbeiten von Bruno Murer stehen zwei Grundzustände des menschlichen Seins: Das Gehen und das Stürzen. Bruno Murer beschreibt, dass diese Zustände sich insbesondere in jungen und in alten Jahren eines Menschenlebens zeigen, dann nämlich, wenn das Gehen noch nicht oder nicht mehr selbstverständlich ist, und das Stürzen eine alltägliche Gefahr darstellt. Die ausgestellte Skulptur «sehkörper: gehen/stürzen» umfasst zwei «Sehkörper», die sich auf Holzbrettern gegenüberstehen. Die «Sehkörper» stellen die Leiber von Mann und Frau dar. Es handelt sich dabei um die Veranschaulichung des Sehens während des Gehens oder des Stürzens. Dargestellt wird jener Augenblick, in dem sich der Mensch seines Körperempfindens nicht mehr sicher ist und er sich ausserhalb seines Körpers befindet. Die Bodenbretter markieren dabei das Gesichtsfeld innerhalb dieses Geschehens.
Bei der Schaffung der «Sehkörper» geht Bruno Murer vom Schädel und dem damit in Verbindung stehenden Gesichtsfeld aus. Ebenso sind die Augenpunkte, die auf beiden «Sehkörpern» zu finden sind, wichtig. Bruno Murer beschäftigt sich in seinem Werk immer mit der Perspektivensuche zwischen Netzhaut und Augenlinsen, genau diese Suche wird bei seinen Skulpturen bildlich dargestellt.

Zeitgenössische Kunst im Nidwaldner Museum

Die ausgestellte Skulptur von Bruno Murer ist ein Neuankauf des Nidwaldner Museums. Ein Teil der Sammlung soll einen Überblick über das regionale Kunstschaffen bieten und die Tätigkeit von Innerschweizer Künstlerinnen und Künstlern dokumentieren. Der Ankauf zeitgenössischer Objekte zielt nicht unbedingt darauf ab, Einzelwerke möglichst vieler Kunstschaffender in die Sammlung aufzunehmen. Vielmehr steht das Gesamtwerk regional bedeutender Kunstschaffender im Zentrum. Ihr Werk soll in einem möglichst repräsentativen Überblick in die Sammlung eingehen. Aus diesem Grund werden immer wieder Werke dieser Kunstschaffenden angekauft und so ausgewählt, dass die Entwicklung der Künstlerin oder des Künstlers sichtbar wird.

Bruno Murer – erfolgreicher Innerschweizer Künstler

Bruno Murer wurde 1949 in Beckenried geboren, wo er seine frühe Kindheit verbrachte. Nach seinem Studium als Vermessungsingenieur und der Arbeit als Raumplaner hat er die Hochschule für Gestaltung und Kunst in Zürich absolviert. Heute lebt und arbeitet er in Kriens. Bruno Murers Werk war schweizweit an diversen Einzel- und Gruppenausstellungen präsent. Er hat für seine Arbeit verschiedene Preise und Stipendien erhalten. Im Nidwaldner Museum war er letztmals im Jahr 2001 mit der Ausstellung «vermessen – Feldbuch 59» präsent. Dabei stand sein tagebuchartiges Feldbuch Nummer 59 im Zentrum, in dem er seine Eindrücke auf der Überfahrt nach New York und während seines dortigen Atelier-Aufenthalts festhielt. Die Feldbücher begleiten den Künstler seit Jahren und dienen ihm zur Auseinandersetzung mit seiner Arbeit. So hat auch die ausgestellte Skulptur ihren Anfang in einem Feldbuch genommen. Mittlerweile ist Bruno Murer übrigens bei Feldbuch Nummer 96 angelangt.

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